Extended Reach Drilling

Der Bohrturm hier, die Lagerstätte viele Kilometer weit entfernt: Häufig sind bei der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen weite Strecken unterirdisch zu überwinden. Extrem lange Bohrungen – „Extended Reach Drilling“ – stellen hohe Anforderungen an die Technik.

Öl und Gas von Land aus fördern – der Umwelt zuliebe

Ähnlich wie ein Arzt mit dem Endoskop ins Innere seines Patienten schaut, arbeiten wir uns zu unseren Lagerstätten vor. Das Extended Reach Drilling ist dann besonders geeignet, wenn wir Erdöl oder Erdgas von Land aus fördern wollen. DEA betreibt zum Beispiel mit der Mittelplate eine Bohr- und Förderinsel im Nationalpark Wattenmeer. Von dieser einzigen im Wattenmeer genehmigten Bohrinsel können wir Produktionsbohrungen bis zu maximal sieben Kilometer abteufen.

Um die Umwelt im Wattenmeer zu schützen, führen wir künftige Produktionsbohrungen von Land aus durch – ein technisch hochanspruchsvolles Unterfangen. Voraussetzung: Die Lagerstätte ist nicht zu weit von der Küste entfernt, und die Formationen sind nicht zu stark zerklüftet. Zehn Kilometer lange Bohrungen hat DEA bereits abgeteuft, mehr als 15 Kilometer lange sind in Planung.

Rotation und spezielle Flüssigkeit verringern Reibung beim Bohren

Die Schwierigkeit bei langen Bohrstrecken: Das Bohrgestänge, das über Tausende von Metern unterirdisch im Gestein bewegt wird, ist besonders großen Drehmomenten und hohen Schleiflasten ausgesetzt. Um Ausfälle und Defekte zu vermeiden, muss während des Bohrens die Reibung gering gehalten werden. Deshalb spült der Techniker die Bohrung ständig mit speziellen Flüssigkeiten und lässt den Strang rotieren. Ohne Rotieren kommt er nicht weiter als zirka acht Kilometer, mit Rotation haben wir schon zehn Kilometer geschafft, die derzeit längste Bohrung der Welt auf der russischen Insel Sachalin ist 12.345 Meter lang.

Durch lange Bohrungen wird die Lagerstätte unter dem Meer von der Küste aus erschlossen.

Blick auf nächsten Weltrekord

Stillstand ist Rückschritt, deshalb beteiligen wir uns an Projekten, die eine Optimierung der Bohrtechnik zum Ziel haben und vielleicht sogar einen neuen Weltrekord im Extended Reach Drilling ermöglichen. In Norwegen beispielsweise entwickeln wir mit Partnerunternehmen ein neues Bohrverfahren, bei dem die beim Bohren anfallenden feinkörnigen Gesteinspartikel nicht wie üblich über den Ringraum aus dem Bohrloch entsorgt werden, sondern durch das Innere eines innovativen doppelten Bohrstrangs. Dadurch verstopft der Ringraum nicht. Außerdem lassen sich mit diesem System Druck und Volumenströme besser kontrollieren.

Auch in puncto Gewicht soll das Bohrgestänge verbessert werden. Es soll robust sein, aber gleichzeitig möglichst wenig wiegen – je leichter und voluminöser, desto geringer die Verluste durch Reibung. Diesen Reibungsverlusten versucht man zum Beispiel durch den Einsatz schwerer Spülung im Ringraum entgegenzuwirken. Das führt zu Auftriebseffekten, der Bohrstrang schwimmt, die Reibung reduziert sich. Dazu ist derzeit ein Aluminiumbohrgestänge in Vorbereitung. In einem weiteren Forschungsprojekt arbeiten wir außerdem an der Entwicklung eines neuen Kunststoffmaterials auf der Basis von Karbonfasern, das sich durch hohe Festigkeit und geringes Gewicht auszeichnet und das Stahlbohrgestänge eines Tages ersetzen könnte.