Richtbohrtechnik

Bohrturm neben Bohrturm, Pumpe neben Pumpe, ein Wald aus Stahl. So sahen Ölfelder früher aus. Der Grund: Eine Bohrung, die nach dem traditionellen Drehbohrverfahren abgeteuft wird, geht mehr oder weniger senkrecht in die Tiefe. Wird sie fündig, bleibt den Bohringenieuren nur eine Möglichkeit, um die Förderung in diesem Feld zu maximieren – nebenan die nächste abzuteufen. So entstehen Bohrturmwälder.

Die Richtbohrtechnik ermöglicht das kontrollierte Bohren von Kurven und Geraden

Straßen durchs Gesteinsinnere

Von dieser Art der Erdöl- und Erdgasgewinnung haben sich die DEA-Bohrfachleute natürlich längst verabschiedet – und bohren stattdessen Löcher, die wie eine gewundene Straße unterirdisch durchs Gestein führen. Mit dem kontrollierten Bohren von Kurven und Geraden nach Bedarf, der sogenannten Richtbohrtechnik, erreichen wir exakt die Ziele, an denen wir Kohlenwasserstoffe vermuten. Von einer einzelnen Bohrinsel aus lassen sich viele Löcher in unterschiedliche Himmelsrichtungen abteufen und so Felder erschließen.

 

Drehbewegung wird von über Tage auf unter Tage übertragen

Durchgesetzt hat sich dabei das Rotary-Bohren, das es schon seit mehr als 100 Jahren gibt. Bei diesem Verfahren überträgt ein rotierendes Bohrgestänge aus zusammengeschraubten, neun Meter langen Rohren die Drehbewegung von über Tage auf einen Meißel. Der klassische Rollenmeißel zertrümmert die Bohrlochsohle und bewegt sich so ständig tiefer. Die über dem Meißel eingebauten Schwerstangen verleihen ihm durch ihr Gewicht die nötige Andruckkraft.

Um eine Kurve zu bohren, mussten die Techniker früher die Rotation des Strangs stoppen und den Meißel mit einem hydraulischen Motor oder einer Turbine am unteren Ende des Bohrstrangs antreiben. Jetzt kann sich der Strang auch bei gekrümmten Horizontalbohrungen weiter drehen. So lassen sich auf der unterirdischen Straße nicht nur beim Geradeausfahren, sondern auch in beliebig geformten Kurven Höchstgeschwindigkeiten erreichen.