Botschafter für die Sicherheit

Bis zu 2.000 Menschen waren zu Spitzenzeiten auf Werften und in Produktionshallen weltweit für das norwegische Dvalin-Projekt jeden Tag tätig.

Das Dvalin-Projekt von DEA Norge läuft reibungslos – es liegt im Zeitplan und im Budget. Die Konstruktionsarbeiten in den Werften und Produktionshallen schreiten voran. Ein weiterer Fokus liegt nun auf den Installationsarbeiten im Feld Dvalin in der Norwegischen See. Die Verantwortung, die DEA Norge als Betriebsführer trägt, ist groß, vor allem auch in Sachen Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit und Umwelt. Angesichts der Größe des Dvalin-Projektes war klar: DEA Norge kann die Tätigkeiten nicht nur mit eigenen QHSSE-Mitarbeitern überwachen und für sichere Verhältnisse sorgen. »Aber unsere 50 Kollegen, die das Dvalin-Projektteam bilden, können unsere Augen und Ohren sein, da sie häufig die Produktionsstätten unserer Kontraktoren besuchen«, sagt Jan Ophus Leskovsky, verantwortlicher QHSSE-Manager für das Dvalin-Projekt bei DEA Norge. »Sie sind jetzt unsere HSE-Botschafter.«

Abhängig von der jeweiligen Aufgabe im Projekt, ist jeder Mitarbeiter verpflichtet, an Web-basierten HSE-Trainings teilzunehmen. Zusätzlich finden HSE-Schulungen für die Mitarbeiter statt, die mit den Kontraktoren regelmäßig interagieren und ebenso regelmäßig deren Standorte besuchen. »Wir haben eine Art Toolbox zusammengestellt, zu der Checklisten, Inspektionsberichte und Safety Cards sowie Vorlagen für Mitarbeitereinweisungen in Sachen HSE gehören«, berichtet Leskovsky. Das versetzt die HSE-Botschafter in die Lage, die tägliche Arbeit der Kontraktoren fachkundig zu verfolgen und zu überwachen.

Die Arbeitssicherheitsbilanz im Dvalin-Projekt spricht für sich selbst: Im Jahr 2017 ereignete sich kein einziger meldepflichtiger Unfall (Ausfallzeit von einem oder mehreren Tagen), nicht einmal eine leichte Verletzung war zu verzeichnen. Lediglich einige wenige Beinaheunfälle wurden registriert. Die Auswertung der Beinaheunfälle ermöglicht es DEA Norge, die Arbeitsprozesse kontinuierlich weiter zu optimieren, sodass auch solche Situationen künftig vermieden werden können. Für Andreas Rudnik, internationaler HSE-Koordinator der DEA, ist die Einführung von HSE-Regeln und die systematische Erfassung von Verbesserungspotenzialen aus Inspektionsberichten und Safety Cards eine wesentliche Grundlage für diese solide Arbeitssicherheitsleistung. Denn der Ausgangspunkt für Verbesserungspotenziale ist das Erkennen von unsicheren Handlungen und Situationen. Im Jahr 2017 kamen im Dvalin-Projekt insgesamt 420 Beobachtungen aus Inspektionen und 1.082 Karten-Hinweise von Mitarbeitern zusammen. Daraus wurden konkrete Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet. So lässt sich Unfällen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt vorbeugen.

Der Arbeitssicherheitsreport startete im September 2016. Die Bilanz bis dato ist beeindruckend.

Intensiver Dialog mit Kontraktoren

Neben der Mobilisierung des gesamten Dvalin-Teams bei DEA Norge hat HSE-Manager Leskovsky auch einen regelmäßigen und intensiven Dialog mit all jenen Mitarbeitern von Aker Solutions, TechnipFMC und Equinor, ehemals Statoil, aufgebaut, die mit HSE-Themen betraut sind. Diese Unternehmen sind aktuell die drei Hauptkontraktoren von DEA Norge. Zum Dialog, bei dem es vor allem um eine Nachbereitung geht, gehören zweiwöchige Treffen, aber auch Ad-hoc-Termine, um den Umgang mit HSE-relevanten Themen zu besprechen. Auch der Umgang der Hauptkontraktoren mit ihren jeweiligen Unterlieferanten ist DEA ein Anliegen. An dieser Stelle wurde die HSE-Verantwortung delegiert: Die DEA-Kontraktoren sind verantwortlich für ihre eigenen Lieferanten. »Dieses Konzept basiert auf Vertrauen und Transparenz«, sagt Leskovsky. Denn die kompetente Auswahl der Kontraktoren spielt eine wichtige Rolle.

DEA Norge-Projektmanager Keith O’Donnell betont die Bedeutung eines abgestimmten und ganzheitlichen HSE-Ansatzes bei einem Projekt dieser Größenordnung. Er ist überzeugt, dass die Einbindung der Mitarbeiter ein wesentlicher Schlüssel für die erfolgreiche Überwachung und Optimierung der HSE-Leistung ist. Der Ansatz im Dvalin-Projekt sei sowohl von den eigenen Mitarbeitern als auch von den Kontraktoren gut aufgenommen worden. Das Feedback sei sehr positiv. Aker Solutions beispielsweise habe betont, dass sie noch nie ein Projekt mit einem so umfassenden, gleichzeitig aber auch effizienten Ansatz erlebt hätten. O’Donnell freut das: »Ich nehme es als Kompliment und bin stolz, dass DEA und das Dvalin-Team in Sachen HSE-Management erfolgreich die Initiative übernommen haben.«

Noch in diesem Jahr will DEA das Unterwasserfördersystem, das von Aker Solutions produziert wird, sowie eines der beiden von Aibel für die Heidrun-Plattform hergestellten Module und auch die Gasexportpipeline installieren. Parallel bereiten DEA und der Bohrplattformbetreiber Transocean die Bohrkampagne vor, die Mitte 2019 starten soll. Die Produktionsaufnahme ist für Oktober 2020 geplant.

Anzahl LTI pro eine Million Arbeitsstunden (c) IOGP

DEA-Arbeitssicherheitsbilanz 2017

Im Jahr 2017 haben sich bei DEA weltweit sieben meldepflichtige Unfälle ereignet, zwei davon waren Unfälle mit Ausfallzeit, sogenannte Lost Workday Cases (LWDC). Beide ereigneten sich in Deutschland. Aus jedem Unfall leitet DEA konkrete Verbesserungsmaßnahmen ab, damit sich dies in dieser Form nicht wieder ereignen kann. Leitgedanke bei der Auswahl von Maßnahmen ist das (S)TOP-Prinzip (Substitution, Technik, Organisation, Persönliches). Zunächst soll geprüft werden, ob die Tätigkeit ohne Gefährdung durchgeführt werden kann, zum Beispiel durch das Ersetzen eines Gefahrstoffes. An zweiter Stelle stehen mögliche technische Maßnahmen, mit denen die Arbeiten sicherer gemacht werden können. Danach werden organisatorische Optimierungsmöglichkeiten betrachtet. Im letzten Schritt geht es um die persönliche Sicherheitsausrüstung der Mitarbeiter.

Die Unfallstatistik der DEA berücksichtigt auch die Ereignisse und geleisteten Arbeitsstunden von Kontraktoren. Voraussetzung: DEA hat die Pflicht oder sich dafür entschieden, auf die Arbeitssicherheit dieser Unternehmen Einfluss zu nehmen. Beim Dvalin-Projekt hat DEA beschlossen, bereits in der Phase der Herstellung der Anlagen in den Werften und Produktionshallen der Lieferanten einen starken Einfluss auf die Arbeitssicherheitsleistung zu nehmen. In dem Projekt wurden in den vergangenen 14 Monaten insgesamt 1,5 Millionen Arbeitsstunden geleistet – ein Drittel aller Arbeitsstunden der gesamten DEA. Das Dvalin-Projekt hat mit seiner Arbeitssicherheitsleistung somit auch einen sehr großen Einfluss auf die Key Performance Indicators (KPIs) der DEA.