Offener Dialog auf Augenhöhe

Eine Transparenzinitiative des BVEG strebt die Versachlichung emotional aufgeladener Diskussionen an.

Mit einem stärkeren Fokus auf die Themen Transparenz und Umweltschutz will die Erdöl- und Erdgasbranche in Deutschland für mehr Akzeptanz bei Stakeholdern und in der Öffentlichkeit sorgen. »Unsere Tätigkeit ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen und teilweise harscher Kritik geworden. Dem wollen wir systematisch begegnen«, sagt Michael Schlüter, Mitarbeiter von DEA Deutschland/Dänemark. »Mit unserer Initiative wollen wir Vertrauen zurückgewinnen.«

Michael Schlüter

Schlüter arbeitete für DEA als externer Berater im Bundesverband Erdöl, Erdgas und Geoenergie (BVEG) maßgeblich an der konkreten Umsetzung der vom Verband ins Leben gerufenen Initiative mit. Ihr gehören Vertreter aus Unternehmen an, die Mitglieder des BVEG sind, unter ihnen auch DEA. Zentrale Idee ist es, Kommunikations- und Konsultationsformate zu entwickeln, die genau auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind. Der BVEG will beispielsweise regelmäßige Treffen der Unternehmen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Umwelt und Zivilgesellschaft ins Leben rufen. »Es geht vor allem darum, ein gemeinsames Verständnis aufzubauen und sachorientierte Informationen auszutauschen«, erklärt Schlüter.

Die BVEG-Initiative ist keine reine Kommunikationsangelegenheit. Im Rahmen des geplanten Konsultationsprozesses will die Industrie vielmehr mit den anderen Stakeholdern am Tisch auch konkrete technische Maßnahmen und Vorgehensweisen für die Tätigkeiten der Erdöl- und Erdgasunternehmen in Deutschland diskutieren und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln. »Die Dinge, auf die wir uns gemeinsam einigen, müssen anschließend auch von allen mitgetragen werden«, so Schlüter. Kritische Themen wie Fracking oder der Umgang mit Lagerstättenwasser sollen ebenfalls nicht ausgespart werden.

Zielgruppenspezifischer Dialog

Parallel zur Identifizierung und Umsetzung konkreter und überprüfbarer Maßnahmen will der BVEG eine Kommunikationskampagne aufsetzen. Die Industrie habe vor allem in der jüngeren Vergangenheit zwar den Dialog gesucht, doch sei dies häufig nicht ausreichend zielgruppenspezifisch erfolgt. »Wir wollen transparent, nachvollziehbar und glaubhaft kommunizieren«, kündigt Schlüter an. Dabei will der BVEG unter anderem auch verdeutlichen, wie hoch die Standards in der Erdöl- und Erdgasförderung in Deutschland sind, was die Unternehmen bereits unternommen haben, um Umweltbelastungen zu reduzieren und mögliche Schäden zu vermeiden, und an welchen weiteren Verbesserungskonzepten sie gerade arbeiten. Fakten seien die Grundlage für gesellschaftlich tragfähige Lösungen und für die Zukunft der Erdgas- und Erdölproduktion in Deutschland. »Am Ende muss deutlich werden, dass sich Klima- und Umweltschutz, wirtschaftliches Handeln und Versorgungssicherheit nicht widersprechen«, so Schlüter.

Auch in die Unternehmen hinein soll eine Sensibilisierung für diese Themen stattfinden. »Die Mitarbeiter der DEA müssen wissen, was ihr Unternehmen tut, um nachhaltig zu wirtschaften, und wie der Umweltschutz weiter verbessert werden kann«, so Schlüter. Ob Mitarbeiter, Bürgerinitiativen, Umweltverbände, Anwohner, Gemeinden, Landräte, Landtagsabgeordnete oder Behörden – die BVEG-Initiative will dafür sorgen, dass die Botschaften bei der jeweiligen Zielgruppe ankommen und bestmöglich verstanden werden. Entsprechend werden die Formate gewählt – von der Twitter-Meldung bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Dabei gehe es nicht um »Greenwashing«, betont Schlüter. »Wir wollen vielmehr einen offenen und ernsthaften Dialog führen und einen vernünftigen Umgang pflegen.«