Wohin wir gehen Ein Gastbeitrag von Maria Moraeus Hanssen

Seit Januar 2018 bin ich CEO von DEA. Ich bin Norwegerin, und mein beruflicher Werdegang begann in meinem Heimatland. In der norwegischen Verfassung ist das Recht verankert auf eine Umwelt, die Gesundheit gewährleistet, und auf eine Natur, deren Produktionsfähigkeit und Vielfalt bewahrt bleibt, und es ist festgelegt, dass die natürlichen Ressourcen über Generationen hinweg unter langfristigen und umfassenden Aspekten verfügbar sein müssen. Zudem haben die Bürger einen Anspruch auf Kenntnis des Zustands der natürlichen Umwelt und der Auswirkungen geplanter und vollzogener Eingriffe in die Natur. 

Vor diesem Hintergrund liegen mir die Thema Nachhaltigkeit und transparente Berichterstattung am Herzen. Auch in Deutschland ist Nachhaltigkeit tief verwurzelt. Das prägt auch DEA, die seit fast 120 Jahren Teil der deutschen Industriegeschichte ist. 30 Jahre sichere Ölproduktion im Weltnaturerbe Wattenmeer beweisen dies. DEA strebt danach, dort wie auch andernorts verantwortungsvoll und sensibel gegenüber der Umwelt zu arbeiten. 

Gleichwohl: Fossile Energie steht in Sachen Umwelt und Klima in der Kritik. So überprüfen wir stetig, wo wir unseren Einfluss auf die Umwelt minimieren können, und machen dabei in der Anlagen- und bei der Arbeitssicherheit sowie im Umwelt- und Gesundheitsschutz keine Kompromisse. Darauf sind wir stolz und erwarten dies auch international von unseren Partnern, was u. a. durch die guten Erfolge im Bereich Arbeitssicherheit nicht nur in unserem aktuellen Dvalin-Projekt in Norwegen, sondern auch durch eine Vielzahl internationaler Aktivitäten von Ägypten bis Mexiko belegt wird.

So weit zur Geschichte und Gegenwart. Wie sieht aber die künftige Öl- und Gasproduktion aus? Kann sie überhaupt langfristig zur Energieversorgung beitragen? Die Internationale Energie-Agentur prognostiziert, dass Öl und Gas weltweit noch lange wichtige Energieträger sein werden. Industrie, Transport, Heizung und Landwirtschaft – kurz unser Wohlstand – hängen davon ab. Und zudem kann Gas zum Klimaschutz beitragen.

Aber sind langfristig überhaupt genügend Öl und Gas vorhanden? Der Club of Rome stellte diese Frage schon 1972 in der Studie "The Limit of Growth" – mit düsterer Prognose. Aber warum ist das Ölzeitalter nicht schon längst vorbei? Tatsächlich haben sich die Öl- und Gasreserven seit den 1970er- Jahren vervielfacht. 

Der Grund: Unsere Branche ist dynamisch. Sie hat immer wieder Innovationssprünge hervorgebracht. Forschung und technischer Fortschritt, Kostensenkungen und Preisimpulse bewirkten, dass das Auffinden und Fördern immer effizienter gelang. Die rein statisch betrachtete Reichweite von Öl und Gas, die in den 1970er-Jahren bei rund 40 Jahren lag, hat sich dynamisch stetig nach hinten verschoben und ist sogar deutlich auf rund 60 Jahre nach oben korrigiert worden.

Auch bei DEA gilt diese Entwicklung. Diese langfristige Perspektive ist uns auch im Sinne künftiger Generationen Ansporn, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen. Entsprechend treiben wir Innovationen voran. Die Dynamik unserer Branche geht weiter. Prozesse werden noch mehr durch technologischen Fortschritt und die Digitalisierung bestimmt.

Eine Dynamik gibt es auch im Energiemarkt insgesamt. Er verändert sich aufgrund besserer Technik und durch die Politik. Die Elektrifizierung entwickelt sich rasant, und gleichzeitig schafft die dezentralisierte Energieproduktion durch erneuerbare Energien ein neues Wettbewerbsumfeld.

Der Klimawandel ist ein internationales Thema. Viele tragen Sorge, dass die Öl- und Gasproduktion riskant ist. Wir schätzen diese Signale, nehmen sie sehr ernst und treffen durch eine Vielzahl von Maßnahmen Vorsorge für ein Höchstmaß an Sicherheit. Durch Ehrlichkeit, Transparenz und Dialog wollen wir Vertrauen in unser Tun schaffen. Dies gelingt, wenn wir auch künftig hart daran arbeiten, den Umwelt- und Klimafußabdruck unserer Aktivitäten zu reduzieren. Bei der Umsetzung dieser Kernkompetenz unseres Unternehmens kommt es uns auf höchste Qualität an. 

Wir wissen, was man von uns erwartet, und setzen darauf, dass man uns zutraut, dass Arbeiten in unserer Hand gut aufgehoben sind. Unser Geschäft ist wissensbasiert und durch unsere wichtigste Ressource geprägt: engagierte und hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch intern fördern wir eine transparente Kultur, die es ermöglicht, mit Fehlern offen umzugehen und daraus zu lernen; eine Kultur der Vielseitigkeit und der unterschiedlichen Blickwinkel, die es jedem erlaubt, über seinen Arbeitsbereich hinaus Einfluss auf das Unternehmen zu nehmen. 

Unsere Arbeit hängt vom Rückhalt in der Gesellschaft ab. Als Teil davon wollen wir die Energiewende und die Energiezukunft mitgestalten. Dabei bleibt für uns und unsere Stakeholder die Herausforderung, unsere Aktivitäten mit den Interessen anderer in Einklang zu bringen. Wegen des hohen Kapitaleinsatzes und der langen Anlagehorizonte unserer Branche sind wir dabei auf vorhersehbares politisches Handeln mit Augenmaß und Weitsicht angewiesen.

Sensibel und transparent, sicher und fair: So arbeitet DEA im Sinne des nachhaltigen Wohlstands der Gesellschaft für wertvolle Energie. Dies wollen wir Ihnen mit unserem diesjährigen Nachhaltigkeitsbericht durch viele anschauliche Beispiele und Daten darlegen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen. 

Über die Autorin

Maria Moraeus Hanssen ist seit Januar 2018 Vorstandsvorsitzende der DEA Deutsche Erdoel AG.