Kräfte bündeln, über Kontinente hinweg zusammenarbeiten, unter großem Zeitdruck einen kühlen Kopf bewahren – in den vergangenen acht Monaten hat DEA in einer Kraftanstrengung die Übernahme der Betriebsführerschaft des Feldes Ogarrio in Mexiko vorbereitet. Es hat sich gelohnt: Am 6. März 2018 wurde die offizielle Lizenzvereinbarung mit dem bisherigen Betreiber, der staatlichen mexikanischen Erdölgesellschaft Pemex, unterzeichnet. Auch in den nächsten Monaten bleibt noch viel zu tun. Das gesamte Mexiko-Team hat schon jetzt gezeigt, dass es dieses Großprojekt im Griff hat.

Nach Zuteilung des 50-Prozent-Anteils an der Lizenz hatte DEA im November 2017 ein sogenanntes Transition-Team zusammengestellt, dem 50 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen angehörten. Ob Geologen und Geophysiker, Lagerstätteningenieure und Anlagentechniker, QHSSE-Mitarbeiter und IT-Experten, Juristen und Kaufleute, Einkäufer und Personaler – sie alle waren und sind teilweise noch immer stark gefordert. »Alle Kollegen in Hamburg und in Mexiko haben eine tolle Arbeit geleistet«, sagt Oliver Obenaus, Leiter des Transition-Teams in Hamburg.

Der erste wichtige Stichtag, der einzuhalten war, war bereits der 21. November 2017. Bis dahin mussten zahlreiche Dokumente bei der mexikanischen Kohlenwasserstoffbehörde eingereicht sein. »Es war eine Herausforderung, überhaupt erst einmal alle Dokumente und Genehmigungen zu identifizieren, die für die Lizenzvereinbarung benötigt werden«, berichtet Martin Jungbluth, Manager New Ventures von DEA in Mexiko. Zu berücksichtigen sei überdies, dass auch die Behörden zum ersten Mal mit einem Onshore-Farm-in-Projekt wie Ogarrio zu tun haben, in dem ein ausländisches E&P-Unternehmen die Betriebsführerschaft übernimmt. »Sie unterstützen uns nach Kräften«, so Jungbluth.

Für die DEA-Teams folgte dann der nächste Abgabetermin im Projekt, der gleichzeitig der anspruchsvollste war: die Erarbeitung eines vorläufigen Feldesentwicklungsplans. Dieser »Provisional Development Plan« (PDP) ist Basis für die ersten zwölf Monate der Betriebsführerschaft. Er sieht die Überarbeitung von 52 bestehenden Bohrungen und das Abteufen von zwei neuen Produktionsbohrungen Anfang 2019 vor. Die mexikanischen Behörden hatten die Vorlage eines PDP verlangt, um die unterbrechungsfreie Erdölproduktion aus dem Feld Ogarrio sicherzustellen. Am 31. Dezember 2017 war Abgabetermin, am 29. Dezember 2017 reichte DEA die Unterlagen ein. »Das technische Team in unserer Mannschaft hat wirklich Tag und Nacht geackert, um diesen Plan zu entwickeln«, berichtet Obenaus. Auch Juan Manuel Delgado, DEA-Repräsentant in Mexiko, ist vom Einsatz und dem Know-how der Kollegen sehr angetan. »Das Transition-Team hat insgesamt eine beeindruckende Arbeit geleistet«, sagt Delgado.

Das Ogarrio-Feld liegt 107 km westlich von Villahermosa im mexikanischen Bundesstaat Tabasco.
Die Produktionsstätte von DEA.
Die Ogarrio-Lizenz.

Produktion muss exakt ausgewiesen werden

Rechtzeitig bis zur Unterzeichnung der Lizenzvereinbarung und der offiziellen Übernahme der Betriebsführerschaft am 6. März 2018 musste dann ein funktionierendes Mess- und Abrechnungssystem mit dem Konzessionspartner Pemex entwickelt sein. Denn nur mit einem zuverlässigen Messsystem lässt sich sicherstellen, dass in den Aufbereitungsanlagen, die zum Teil weiterhin in der Verantwortung von Pemex liegen, die Produktion aus dem Feld Ogarrio exakt ausgewiesen und der DEA-Anteil genau berechnet wird. Auch die Tarife, welche die Tochtergesellschaft der DEA für die Nutzung der Infrastruktur zu zahlen hat, wurden festgelegt, ebenso wie die Vermarktung der Produktion.

Zeitgleich arbeiteten die Teams daran, ein QHSSE-Managementsystem für die OpCo Mexiko zu erstellen und sogenannte Baseline-Studies auf den Weg zu bringen. Mithilfe dieser Studien wird der aktuelle Zustand des Ölfeldes Ogarrio hinsichtlich Umwelt, sozial gesellschaftlichem Umfelds, Straßen, Pipelines, Bohrungen und Anlagen erfasst und beschrieben. Dabei gilt es, vor allem Schäden zu identifizieren und aufzunehmen. Noch vor Weihnachten 2017 waren für die aufwendige Erarbeitung der Baseline-Studies Ausschreibungsunterlagen an Anbieter versandt worden. »Die Kollegen vom Einkauf haben uns hier tatkräftig unterstützt und auch beim Aushandeln der Verträge gute Arbeit geleistet«, sagt Obenaus. Die Mitarbeiter der IT kümmerten sich vor Ort in Mexiko um die technische Ausstattung und das nötige IT-Equipment für die Büros in Villahermosa.

DEA arbeitet sich in den Betrieb vor Ort ein

Seit 6. März 2018 ist DEA im Feld Ogarrio nun offiziell 50-prozentiger Anteilseigner und Betriebsführer. Das bedeutet auch: Das Unternehmen trägt 50 Prozent der Kosten und die betriebliche Verantwortung. Dies umfasst QHSSE-Themen wie Arbeitssicherheit und Umweltschutz genauso wie den täglichen Betrieb der Bohrungen und deren technische Wartung. Ebenfalls seit 6. März läuft die sogenannte Übergangsphase, die auf 180 Tage befristet ist. Für diese Phase hat DEA mit Pemex ein »Transition Service Agreement« (TSA) geschlossen: Pemex stellt Personal und Know-how für den Betrieb des Feldes zur Verfügung und bietet der DEA-Tochtergesellschaft die Möglichkeit zur Einarbeitung.

In der Zusammenarbeit und Kommunikation mit Pemex und auch mit den mexikanischen Behörden ist vor allem die Sprache ein echtes Thema. »In den meisten Besprechungen wird nur spanisch gesprochen. Fast alle Unterlagen und sämtliche Dokumente für die Behörden sind ebenfalls auf Spanisch abgefasst«, berichtet Obenaus. Auch New-Venture-Manager Jungbluth sieht darin eine Herausforderung. Die Deutsche Erdoel Mexiko habe alles daran gesetzt, den direkten Kontakt zum Ogarrio-Team von Pemex in Agua Dulce zu etablieren. »Wir haben erfahrenes mexikanisches Personal eingestellt, das diese Verbindung aufgebaut und auch zwischen dem Transition-Team in Hamburg und dem Agua-Dulce-Team von Pemex vermittelt hat«, berichtet Jungbluth. Die deutschen Teams seien auch durch die langen Reisen nach Mexiko-Stadt, Villahermosa oder Agua Dulce sehr gefordert gewesen. Durch die Zeitverschiebung von sieben Stunden seien außerdem die Arbeitszeiten durcheinandergewirbelt worden. »Wir müssen alle sehr flexibel sein. In Hamburg sitzen die Kollegen manchmal noch sehr spät am Schreibtisch, und in Mexiko beginnt der Arbeitstag für uns oftmals sehr früh«, so Jungbluth.

Mit der Zusammenarbeit sind aber alle Seiten sehr zufrieden. »Unsere Kommunikation mit den Kollegen vor Ort in Mexiko war entscheidend für den bisherigen Erfolg. Sie waren immer ansprechbar und stellten so eine erfolgreiche und gemeinsame Bearbeitung aller Dokumente sicher«, sagt Obenaus. Das war nicht immer ganz leicht. Bis innerhalb der großen Pemex-Organisation die Genehmigung vorlag, der DEA bestimmte Daten zur Verfügung zu stellen, dauerte es seine Zeit.

Die Aufgaben des Transition-Teams werden nun langsam von Hamburg nach Mexiko verlagert, das Team wird in den nächsten Monaten sukzessive abgebaut. »Wenn beispielsweise alle benötigten Verträge abgeschlossen sind, erfolgt die tagesaktuelle juristische Betreuung künftig von Mexiko aus«, sagt Obenaus. Gleiches gilt für andere Bereiche.

In den nächsten Monaten will DEA nun unter Beweis stellen, dass das Unternehmen ein Projekt dieser Größenordnung erfolgreich stemmen kann. Für die weitere Entwicklung der DEA im Land ist dies wesentlich. Obenaus sieht positive Zukunftsperspektiven: »Die Erfahrungen, die wir in Ogarrio, unserem ersten Projekt in Mexiko, sammeln, sind sehr wertvoll und werden uns bei künftigen Aktivitäten im Land von großem Nutzen sein.«